11.10.2017

Erfüllung finden im ehrenamtlichen Engagement

Aus Freude am Helfen

Sabine Schilling aus Bad Bramstedt engagiert sich vielfältig für andere Menschen. In ihrer Gemeinde ist sie Gottesdienstbeauftragte, in ihrer Freizeit Hundeführerin beim THW – mit guten Kontakten zu Abrissunternehmen…

Sabine Schilling als Hundeführerin bei einer THW-Übung
Sabine Schilling bei einer THW-Übung.  Foto: Sabine Ludwig

Am liebsten ist Sabine Schilling Hundebesitzerin. Und Lehrerin. Und Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Sie liebt Menschen und Tiere und hat ihre Bestimmung im Leben gefunden. Das war längst nicht immer so. Während des Sonderpädagogikstudiums machte die gebürtige Hamburgerin ein Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Rostock. „Das hat mir die Augen geöffnet“, sagt die 40-Jährige heute. Denn sie hatte ihren Platz gefunden. Nicht in Rostock aber dafür in sich selbst. Sie hat gefunden, wonach andere ihr Leben lang suchen. „So viele Kinder haben es schwer im Leben. Ich möchte einen kleinen Beitrag dafür leisten, Kinder zu unterstützen.“

Begonnen hatte sie als Sonderpädagogin auf Fehmarn. Neben dem Studium machte sie ihr Kapitänspatent, um sich die Möglichkeit offen zu halten, später einmal zur See fahren zu können. Es war ein Todesfall, der ihr ihre Hilflosigkeit bewusst machte. Es folgten Trauer, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung. Gleichzeitig wurde ihr klar, dass das, was sie leisten kann, von göttlicher Seite kommen muss. Sie wollte nichts mehr so leicht dem Zufall überlassen. Sie trat in die Freiwillige Feuerwehr ein, um Menschen schnell und gezielt unterstützen zu können. Dabei half ihr der Glaube an Gott, den sie seit früher Jugend in sich spürte. „Nach all diesen Geschehnissen bin ich demütiger geworden, was meine Rolle auf Erden angeht“, sagt sie. 

Heute arbeitet Sabine Schilling als Sonderpädagogin in Bad Bramstedt mit Schülern, die in öffentlicher Erziehung sind, wie das im Amtsdeutsch heißt. Also wieder mit den Kindern und Jugendlichen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Die Gemeinde Jesus Guter Hirt in Bad Bramstedt wurde ihr zur zweiten Heimat. Schilling ist dort Gottesdienstbeauftragte. „Seit Januar 2016 gibt es in meiner Gemeinde keinen katholischen Pfarrer mehr.“ Sie wollte etwas für die Gemeinde tun, in der sie sich so wohlfühlte. 

Sabine Schillings ganz spezieller Ort ist das Kloster Nütschau. Hierhin zieht sie sich mindestens einmal im Jahr zurück, zur Einkehr oder Fortbildung. Dort hat sie auch die Seminare zur Gottesdienstbeauftragten besucht. „Es gefiel mir, dass die Tage durch das Stundengebet strukturiert wurden.“ Denn diese Gebetsform sei ihre ganz persönliche Kraftquelle schon seit vielen Jahren. 

Im Probejahr als Oblatin bei den Benediktinern

Von den Benediktineroblaten hörte Sabine Schilling erstmals 2015 und fing an, sich mit dieser Gemeinschaft zu beschäftigen, las darüber und stellte fest, dass „es etwas für mich sein könnte!“ Regelmäßige Gespräche mit dem Oblaten-Rektor im Kloster Nütschau und Treffen mit anderen Oblaten in ähnlichen Situationen sollen ihr helfen, den Weg in die richtige Richtung zu gehen. „Ich bin im Probejahr“, ergänzt die Orgel- und Cello-Spielerin.

Ortswechsel Neumünster. Sabine Schilling wartet in Schutzkleidung auf einem Abrissgelände auf die ehrenamtlichen Helfer des Technischen Hilfswerks (THW). Jetzt geht es um das Praktische, nämlich Helfen auch physisch umzusetzen: Diesmal als THW-Gruppenführerin. Es gießt in Strömen. Doch Sabine Schilling hat keine Wahl. Verschüttete Personen müssen zeitnah unter den Trümmern gefunden werden, um gerettet werden zu können. Es ist eine Übung, doch genau so kann der Ernstfall aussehen. Ihre zwei Hunde Bobo und Patch, beide sind ausgebildete Trümmer- und Flächensuchhunde, warten im Wagen. Auf Kommando geht es los: „Such und hilf!“. 

„Ich habe gute Kontakte zu Abrissunternehmen und suche immer geeignete Übungsflächen für meine Gruppe.“ Das Ehrenamt ist zeitaufwendig, aber erfüllend. „Jeden Donnerstagabend und vierzehntägig am Samstag wird mit den Hunden geübt.“ Jeder Griff muss sitzen. Sabine Schilling ist streng – mit Hunden und Helfern. Denn es geht um Menschenleben, und jeder Fehler kann tödliche Folgen haben. „Es begann mit meiner ersten Hündin Asta. Mit ihr wollte ich arbeiten“, sagt sie und ihre Augen leuchten, wenn sie an die Magyar Vizsla-Dame (ungarische Jagdhündin) zurückdenkt. Asta gibt es nicht mehr, doch dieser Vierbeiner hat ihr den Weg geebnet. So ist auch dieser Hund eines der Puzzleteile im Leben von Sabine Schilling.

Text u. Foto: Sabine Ludwig