04.02.2015

Burn-out vorbeugen

Auf die Energiereserven achten

Beruflich und privat permanent bis an die eigenen Grenzen gehen, am Rande der Überforderung stehen, weitermachen, bis nichts mehr geht. Geschätzte neun Millionen Menschen in Deutschland leiden an einem Burnout, Tendenz steigend. 

Das Leben und der Alltag ist völlig verplant, man kommt kaum noch zur Ruhe? Dann ist eine Pause dringend nötig. Foto: imago

„Wir sollten rechtzeitig den Grundstein für eine Veränderung legen“, rät Diplom-Psychologe Fritz Hübschmann. Der 59-Jährige gibt unter anderem in Seminaren praktische Tipps, wie Menschen ihre Widerstandsfähigkeit – im Fachjargon: Resilienz– erhöhen können, um besser mit Krisen zurechtzukommen. „Man sollte sich einen ‚Energietopf‘ zulegen, aus dem man weniger herausnimmt, als man hineintut“, sagt der Experte. „Dabei muss ich mich immer wieder fragen“, so Hübschmann, „wie ich meine vorhandenen Energiereserven nutze, ob ich sie pflege und wie ich sie im besten Falle erweitern kann.“ 

Wer im Alltag ständig vergeblich versucht, alles unter einen Hut zu bekommen, wer seine eigene Messlatte stets (zu) hoch ansetzt, immer unter Druck lebt, nicht Nein sagen kann und sich grundsätzlich zu viel aufbürdet, ist gefährdet, irgendwann unter dieser Last zusammenzubrechen, ‚auszubrennen‘, an einem Burnout zu erkranken. 

„Mir fällt es schwer, Grenzen zu ziehen“, erzählt eine Seminarteilnehmerin. „Wenn alles auf mich einströmt – wo bleibe ich da mitten in dem Trubel? Wie schaffe ich es, mich nicht auffressen zu lassen von meinen Verpflichtungen? Wo beginnt die Überforderung, und wie kann ich rechtzeitig die Bremse ziehen?“ 

 

Die eigenen Kraftquellen entdecken und nutzen

Viele Menschen kennen diese Gefühle, leiden unter der zunehmenden Belastung der Arbeitswelt ebenso wie unter Freizeitstress. „Ich empfinde mein Leben als atemlos und verplant“, sagt eine weitere Seminarteilnehmerin. „Bisher habe ich immer alles irgendwie hinbekommen.“ Gleichzeitig hätte sie vieles, was ihr früher wichtig war, aufgeben müssen, fügt sie hinzu. „Das macht auf Dauer unzufrieden, vielleicht sogar krank.“

Ziel der Burnout-Vorbeugung ist es, „im Falle des Falles wieder schneller auf die Beine zu kommen“, so Hübschmann. „Man lernt, besser mit Beeinträchtigungen zurechtzukommen, nicht gleich umzukippen.“ Grundsätzlich gelte: „Üben kann man solche Methoden nur außerhalb der Krise.“ Sonst falle man zurück in die vertrauten Muster. 

„Wichtig ist auch, dass ich raus gehe aus der Opferrolle und mich nicht emotional zuschütten lasse“, betont der Psychologe. Menschen, die in der Lage seien, sich selbst zu reflektieren, hätten es diesbezüglich einfacher, denn: „Nur, wer gelernt hat, nach innen zu schauen, kann überhaupt wahrnehmen, wo er steht und dass er unter Umständen über-lastet ist.“ 

Es helfe sehr, Kraftquellen zu entdecken und zu nutzen: Für manche Menschen ist das die Familie und/oder der Partner, andere erholen sich in der Natur oder beim Sport, blühen auf im Urlaub, bei geistiger Herausforderung oder Musik. „Entscheidend ist auch hier die Vielfalt“, betont Hübschmann. „Es geht darum, uns selbst zu spüren und auf uns zu achten.“ 

 

Mit den kleinen Dingen des Lebens anders umgehen

Widerstandsfähige Menschen strahlten Gelassenheit aus, so der Experte. Dazu gehöre auch eine gehörige Portion Flexibilität, die helfe, sich neuen Dingen zuzuwenden, um nicht immer und immer wieder „mit Volldampf gegen die Wand“ zu fahren. Denn: „Ein Burnout“, sagt Hübsch-mann, „entsteht nicht selten, wenn man partout nicht von seinem Ziel ablassen kann.“ Wer in der Lage sei, seine Ansprüche zu verändern und sein Ziel auch über neue Wege zu erreichen, habe insgesamt wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten und sei freier in seinem Handeln. 

„Manchmal ist es ein Anfang, wenn es uns gelingt, mit den kleinen Dingen des Lebens einmal anders umzugehen“, sagt
Hübschmann. „Ausprobieren, was es noch für Möglichkeiten gibt“, rät der Experte. Dazu gehöre nicht zuletzt auch ein anderer Umgang mit sich selbst, der bei der Vorbeugung eines Burnout eine so wichtige Rolle spielt.

 

Tipps: Das hilft gegen Burn-out

Sieben sehr einfach klingende Regeln können helfen, einem Burnout wirksam vorzubeugen:

1. Freizeitstress vermeiden

2. Sich selbst reflektieren

3. Gelassenheit üben

4. Anerkennung einfordern

5. Abgrenzung lernen

6. Pausen bewusst einhalten

7. Soziale Kontakte pflegen

 

Von Ulrike Schwerdtfeger