08.12.2016

Alpha-Omega-Letters: Prominente sprechen über christliche Begriffe

Adventskalender der besonderen Art

Die 24-teiligen Alpha-Omega-Letters sind ein Adventskalender der besonderen Art. Zu bewegten Bleistiftskizzen, Porträts mehr oder weniger bekannter Personen sind Traktate, persönliche Notizen und philosophische Betrachtungen über einzelne Worte und Begriffe aus dem Erfahrungsschatz des Christentums zu hören.

Alpha-Omega-Letters (Foto: katholische Akademie Berlin)

Um es vorweg zu nehmen: Die Alpha-Omega-Letters sind das Gegenteil des sonst so schnelllebigen, hastigen Internets, das bekanntlich eher  auf schnelle Klicks, bunte Bilder und oft nur seichte Unterhaltung setzt. Die Alpha-Omega-Letters sind „langwellig“, fast schon symphonische Betrachtungen. Im Mittelpunkt des Projekts stehen an jedem Kalendertag neu kleine Filme, kurze Videoschnipsel, die allerdings kaum mehr zeigen als eine (bewegte) Schwarz-Weiss-Skizze des jeweiligen Autors oder der Autorin. Unterlegt sind die Filme mit Audiomitschnitten. Das sind mal wohlbedachte Überlegung, mal eher persönliche Notizen bis hin zu einigen theologisch-philosophischen Traktaten über einzelne Worte oder Grundbegriffe des Christentums; wie das Gebet, die Keuschheit oder das Jüngsten Gericht.

Punkt, Punkt, Komma Strich - Fertig ist das Mondgesicht

Ersonnen hat sich Ganze die Katholische Akademie in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Thomas Henke. Gestartet wurde das filmische Porträt-Projekt – wie sich das für einen Adventskalender gehört - pünktlich am 1. Dezember 2016. Zu hören sind (bzw. werden sein) einige prominente, allerdings inzwischen im Ruhestand befindliche Politiker wie Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse oder die ehemalige Bundesbildungsministerin Anette Schavan, sowie mehr oder weniger bekannte Ordensleute, Literaturwissenschaftler, Journalisten, Bischöfe (etwa Kardinal Walter Kasper oder der Berliner Erzbischof Heiner Koch), Schriftsteller, Religionswissenschaftler, ein Theaterintendant, ein Kurator und ein Pianist. Bei den Ordensleuten seien hier zuvorderst die beiden Jesuiten Stefan Dartmann (Ex-Provinzial) und Klaus Mertens, der einst den Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg aufdeckte, sowie Schwester Luitgardis Hecker erwähnt, die lange Jahre als Äbtissin der Benediktinerinnenabtei Mariendonk vorstand.

Natürlich haben sich hier nicht Prominente aus der ersten Reihe versammelt. Auch jüngere, angesagte Namen sucht man vergebens. Ein jüngeres internetaffines Publikum wird hier eher nicht angesprochen, und so leider – einmal mehr – eine Chance vertan, Kirche bzw. das Christentum von einer anderen (sagen wir) moderneren und zeitgemäßen Seite darzustellen.

Möglichkeiten des Webs wurden nicht genutzt

Ein anderes Problem des Projekts ist, dass man auf der Alpha-Omega-Seite nichts Näheres zu den einzelnen Autoren der Beiträge erfährt. Wer zum Beispiel nicht weiß, wer jener Hermann Kurzke, der einem da gerade etwas über die Demut erzählt, muss erst googeln. Das ist schade. Auch hier wurden Möglichkeiten, die ja gerade das Internet bietet, nicht genutzt. Mit wenig Aufwand hätte man den Beitrag einfach mit dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag oder auch der privaten Webseite der genannten Person verlinken können. Und jeder hätte schnell erfahren; Kurzke ist ein Literaturwissenschaftler, katholischer Theologe und Autor…

Zudem wirken, auch das muss leider gesagt werden, einige Beiträge - so profund sie auch sein mögen - in ihrem Vortrag recht gestelzt, predigt-artig, irgendwie altbacken, etwa wenn hier Jesuitenpater Mertens spricht; „ich meine zu bemerken“. Meine Güte, warum „bemerkt“ der Mann nicht einfach? Allen Beiträgen, die ja mit Minimum zehn Minuten Laufzeit vergleichsweise lang (um nicht zu sagen langatmig) sind, fehlt zudem eine Art Teaser, eine kurze Einführung oder kleiner Hinweis (zwei, drei Zeilen hätten schon genügt), worum es im Nachfolgenden geht. So ist das Alpha-Omega-Projekt am Ende eher nur einem recht speziellen Publikum zugänglich.Leider.

Ihr Webreporter Andreas Kaiser