12.10.2016

Erzbischof Stefan Heße spricht beim Kieler Forum Kirche und Gesellschaft über Menschen auf der Flucht – und das Engagement von Katholiken

1200 Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe der Gemeinden

Das Erzbistum Hamburg hat seit März 2015 im Rahmen seines Fonds „Hilfe für Flüchtlinge“ über 300000 Euro bewilligt. Dabei seien sowohl kleine Summen für Sprachlernbücher wie auch größere Beträge für langfristig orientierte Initiativen der Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt worden, sagte Erzbischof Stefan Heße bei einem Vortrag in der Propsteigemeinde Sankt Nikolaus am Freitag (30. September) in Kiel. Das Erzbistum gehe davon aus, dass sich in diesem Jahr etwa 80 Haupt- und 1200 Ehrenamtliche in der katholischen Flüchtlingsarbeit in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg engagieren.

Der Vortrag des Erzbischofs stieß auf reges Interesse. Foto: B. Grunau

Heße, der auch Flüchtlingsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, verteidigte den Einsatz der Kirchen für Migranten und Flüchtlinge. Ebenso wie Liturgie und Glaubensverkündigung gehöre diakonisches Handeln zum Selbstverständnis der Kirche. Alle Teile der Bibel zeugten von einer besonderen Fürsorgepflicht für Zuwanderer. So lasse sich „die Geschichte des Volkes Israel als eine Geschichte von Heimatverlust, Exil, Flucht, Vertreibung, Leben in der Fremde und beständiger Migration lesen“, führte der Erzbischof weiter aus.

Die Kirche sei aufgerufen, eine Ethik zu entwickeln, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Fragen von Flucht und Migration ermögliche. Die Prinzipien der katholischen Soziallehre seien dabei wichtige Säulen, sagte Heße. „Hartherzigkeit und Fremdenfeindlichkeit sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar.“ Ihm sei bewusst, dass es auch in den eigenen Reihen Skepsis und Widerspruch gegenüber dem starken kirchlichen Engagement gebe. „Umso mehr suchen wir das innerkirchliche Gespräch, das Ängste und Befürchtungen aufgreift und überwinden hilft“, so der Erzbischof. Die Basis für ein solches innerkirchliches Gespräch sei aber „nicht die politische Opportunität, sondern unser gemeinsames biblisches und ethisches Erbe.“

Der Erzbischof äußerte sich bei einem Vortrag zum Thema „Menschen auf der Flucht - eine Herausforderung für uns alle und eine Verpflichtung für Christen?“ Eingeladen hatte das Kieler „Forum Kirche und Gesellschaft“.

Text: kna