14.06.2017

Harburger Schüler fliegen ins Bistum Iguazú

„Wir wollen dort helfen“

15 Schüler der Katholischen Schule Harburg fliegen am 2. Juli nach Argentinien. In Eldorado, Bistum Iguazú, werden sie ihre Partnerschule besuchen, Kinder betreuen, die Schule neu streichen – und selbst sehr viel lernen.

15 Schüler und Lehrerin Katrin Hoppmann starten bald nach Eldorado

15 Schüler und Lehrerin Katrin Hoppmann starten bald nach Eldorado  Foto: Hüser

 

Gut, dass Michele dabei ist. Sie ist die Einzige in der Gruppe, die Spanisch spricht. „Spanisch ist meine Muttersprache, ich bin also die Übersetzerin.“ Eine lus-tige Klassenfahrt wird die Reise nach Eldorado nicht. „Wir fliegen dahin, um zu helfen, nicht um uns zu sonnen oder Urlaub zu machen“, sagt Gabriel Behneke. Die Partnerschule San Miguel liegt 11 000 Kilometer von Hamburg-Harburg entfernt, im Norden Argentiniens. Die Schüler werden in Familien wohnen – irgendwie wird man sich verständigen, auch wenn Michele gerade nicht da ist. 

Seit zehn Jahren wächst die Partnerschaft zwischen der Katholischen Schule Harburg und der katholischen Schule San Miguel in Eldorado, einem Ort im Bistum Iguazú. Besuch aus Eldorado haben die Hamburger schon öfter bekommen. Gabriel Behneke: „Ein paar Lehrer aus Argentinien kamen in unsere Klasse. Das war immer witzig, uns mit denen zu unterhalten. Jetzt sind wir zu dem Entschluss gekommen, dort selbst hinzufahren.“ 

Seit einem Jahr bereiten sich die 15 Schüler auf die Reise vor. Sie werden den Flug nicht bezahlen müssen. Denn sie haben ein Jahr lang Geld gesammelt: Kuchen verkauft, Nachhilfestunden gegeben, Spenden eingeworben. 30 000 Euro sind zusammengekommen. Das reicht nicht nur für die Reise, sondern auch für das Arbeitsmaterial vor Ort. 

„Großer Dank an diese Schüler. Die haben sich diese Reise erarbeitet, ein ganzes Jahr lang. Das ist ein soziales Engagement, das ich toll finde“, sagt Schulleiter Michael Stüper. Überhaupt passe die Partnerschaft ideal in das Schulkonzept „zum Leben ermutigen“. „Schulen sind Lebens-
orte. Um da groß zu werden, braucht man eine Umgebung, wo das möglich ist. Das Tolle an der Partnerschaft ist, dass man die Möglichkeit hat, solche Lebensorte zu entwickeln. Und dass Schüler dabei helfen können. Es ist nicht nur materielle Unterstützung. Es entstehen persönliche Kontakte.“ 

Jugendliche arbeiten für ihre Reise: 30 000 Euro

Was genau in den beiden Wochen passieren wird, das bleibt eine Überraschung. Fest steht aber: Die Gäste aus Hamburg werden in der ersten Woche mit den Grundschülern in Argentinien arbeiten, in den Klassen sein, nachmittags mit den Kindern basteln oder Fußball spielen. In der zweiten Woche sind Ferien. Dann werden die Gäste die Schule streichen, Spielgeräte auf dem Gelände ausbessern und sich sonst nützlich machen. Laura Matosevic „Wir wollen den Menschen dort helfen und etwas Gutes tun.“ 

Lehrerin Katrin Hoppmann war schon zwei Mal in Eldorado und weiß, vieles ist dort anders als in Deutschland. Nicht nur, dass die Schüler morgens antreten und die Nationalhymne singen. „Die Klassenräume sind deutlich kleiner als bei uns. Jeder Schüler hat ein Ringbuch, wo alles drin ist. Schulbücher gibt es nicht.“ Und was völlig anders ist: „Alle Schüler sind froh, dass sie zur Schule gehen dürfen, dass sie nicht als Kinder schon Arbeitskräfte ihrer Eltern sein müssen.“ 

Nur durch die Hilfe der Harburger hat die Schule San Miguel – nach 50 Jahren Bestehen – sanitäre Anlagen bekommen. Im vergangenen Jahr nahmen die Gäste aus Argentinien 19 Koffer mit Schuhen und Kleidung mit nach Eldorado. Und auch die Harburger Gäste werden mit einem leichteren Koffer zurückfliegen, als auf dem Hinflug. Kate Feddersen: „Wir werden Sachen, die wir nicht mehr tragen oder nicht mehr brauchen, mitnehmen. Die bleiben dann da.“

Text u. Foto: Andreas Hüser