14.01.2015

Erleuchtendes beim 24. Neubrandenburger Dreikönigstag mit Festredner Richard David Precht

„Werde Licht!“

Der 24. Dreikönigstag brachte erneut viel Licht nach Neubrandenburg – Licht, das vom Stern der Dreikönigssinger ausging, von der Spendenübergabe im Marktplatzcenter, den Besuchen in der evangelischen Marienschule, im Dreikönigshospiz und natürlich von der glanzvollen Festveranstaltung mit 650 Gästen in der Stadthalle.

Festlicher Auftakt zum Benefizmahl des Neubrandenburger Dreikönigsvereins. Vorsitzender Rainer Prachtl begrüßte 650 Gäste: ausverkauft wie jedes Jahr. Fotos: Bernd Lasdin

„Mache Dich auf und werde licht; denn Dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über Dir!“, diesen gewaltigen Zuspruch des Propheten Jesaja stellte Landesbischof Gerhard Ulrich seiner Tischrede zum Auftakt des diesjährigen Neubrandenburger Dreikönigstages voran. Am Dreikönigstag feiere die Kirche das Epiphaniasfest – „das Fest der Erscheinung Jesu Christi vor aller Welt – seine missionarische Mission als Licht für alle Völker: Gott leuchtet mit seinem Licht – Christus – hinein in unsere Welt, er erwärmt die frostigen Seelen und die, deren Feuer zu erlöschen droht, entzündet er neu.“ 

Wie sehr Menschen auch heute sich von diesem Licht entzünden lassen, zeigte sich erneut an diesem Neubrandenburger Dreikönigstag und dem Wirken des Dreikönigsvereins. So konnte Vorsitzender Rainer Prachtl die beeindruckende Spendensumme von 60 000 Euro bekanntgeben. Sie soll vorrangig für das Hospiz und die Jugendreisen nach Israel Verwendung finden. 

In einem besonderen Licht stand dann das abendliche Benefizessen, unter anderem mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Lorenz Caffier, dem Europaabgeordneten Werner Kuhn, Oberbürgermeister Dr. Paul Krüger und Landrat Heiko Kärger sowie dem Philosophen und Bestseller-Autor Prof. Dr. Richard David Precht als Festredner. 

Festredner Richard David Precht

 Als „Johnny Cash der Philosophie“, wie er sich selbst bezeichnete, brillierte er in seinem Festvortrag zum Thema Moral. Mit spannenden Einblicken in die menschliche Seele und in zwischenmenschliche Verhaltensweisen hielt er sein Auditorium in Atem – und manchen auf locker-unterhaltsame Weise den Spiegel vor, nicht als Moralapostel, sondern gespickt mit erheiternden Bonmots. So besitze der Mensch keinen angeborenen Sinn für Fairness, wohl aber für die Unfairness, die ihm widerfährt. Daher solle man sich stets so verhalten, wie andere es auch machen, gab er als „eine der wichtigsten Regeln“ mit auf den Weg.

Bischof Ulrich führte in seinem Tischgebet noch einmal zur Selbstreflektion aus einer ganz anderen Dimension: der des Suchens, Verstehens und Glaubens in einer ganz neuen Qualität und Tiefe. Denn am Ende komme für ihn das Schönste der Dreikönigsgeschichte: Sie zogen auf einem anderen Weg wieder in ihr Land. „Die, die Gott suchen und finden, werden frei für neue Lebens-Wege. Die Weisen sind ungehorsam, gehen auf Gottes Geheiß hin nicht zu Herodes! Der Gehorsam gegen Gott führt dann und wann in den Ungehorsam gegen die Macht der Welt.“ Zu Weihnachten komme Gott herunter zu den Heruntergekommenen, und es seien Fremde von weit her, Heiden, die dem Zeichen folgen und uns zeigen, wo es langgeht! 

Der Gedanke eines offenen Umgangs mit dem Fremden widerspiegelte sich auch in den Grußworten Werner Kuhns. Wer seine Werte nicht kenne und lebe, habe Angst vor dem Fremden. Daher seien der Dreikönigsverein und die von ihm praktizierten Werte Leuchtturm in einer säkularisierten Welt, in einem Sinne, wie es unlängst auch Papst Franziskus vor dem EU-Parlament forderte: „Aus christlicher Sicht sind Vernunft und Glaube, Religion und Gesellschaft berufen, einander zu erhellen, indem sie sich unterstützen und, falls nötig, sich wechselseitig von den ideologischen Extremismen läutern.“ Im Kontext dieser Franziskus-Worte erwies sich der Neubrandenburger Dreikönigstag nicht nur als Lichtblick, sondern auch von großer Aktualität.

Text: Marina Dodt