17.06.2015

Auftakt zur Entwicklung des Pastoralen Raums „Bille–Elbe–Sachsenwald

„Respekt ja, Angst nein“

Mit einem optimistischen Auftakt ist der mitgliederstärkste Pastorale Raum des Erzbistums in seine Entwicklung gestartet. Am Samstag trafen sich dazu 250 Katholiken im Reinbeker St. Adolf-Stift. 

Hier grüßen die Bergedorfer, größte Gemeinde im Pastoralen Raum „Bille-Elbe-Sachsenwald“ Foto: Hüser

„Angst nein, Respekt ja“, so beschrieb Pfarrer Markus Diederich sein Gefühl angesichts der Aufgabe, die vor ihm und 26 175 anderen Katholiken liegt. Im ersten Jahr ist Zeit zum Kennenlernen. Markus Diederich: „Wer sind wir und was haben wir in diesem Raum? Was wir heute noch nicht wissen ist, wer wir sein wollen.“ 
   Wer den Pastoralen Raum bereisen will, könnte im Westen beginnen – und findet in Lohbrügge den ersten bedeutenden „Ort kirchlichen Lebens“. Verena Wörmann stellte vor, was der Verband „In Via – katholische Mädchensozialarbeit“ in Lohbrügge, Boberg und Allermöhe in der Sozialarbeit leistet: Jugendzentren, Jugendmigrationsdienst oder das Projekt „wellcome“ für Eltern von  Neugeborenen.          Nicht weit davon beheimatet der in den 1980er Jahren entstandene Stadtteil Neuallermöhe eine Kirche mitten auf dem Marktplatz. Die Kita Edith Stein zieht nicht nur katholische Familien an, sondern auch viele mit osteuropäischer Herkunft. Wie gut die Kinder singen können, davon durften sich alle Gemeinden des Pastoralen Raums überzeugen. Insgesamt gibt es vier katholische Kitas im Raum.

Ein Dinosaurier unter den KInderheimen

Ein weiterer starker Akteur im Jugendsozialbereich ist das Kinder- und Jugendhaus St. Elisabeth in Bergedorf. „Wir sind so etwas wie ein Dinosaurier unter den Kinderheimen“, sagte Mechthild Miller, Pädagogische Leiterin. Mit sieben Wohngruppen unter einem Dach ist das Kinderhaus für heutige Verhältnisse riesig. Der Vorteil: „Wo mehrere Geschwisterkinder sind, können wir sie gut integrieren.“ 
Die katholischen Schule Bergedorf zeigt schon heute, wie ein Zusammenspiel von Bildung, Pastoral und sozialem Dienst funktioniert. Schulseelsorge, Sternsinger und Erstkommionunterricht findet nachmittags in der Schule statt.  
   Wandert man von Bergedorf ostwärts, trifft man hinter der Landesgrenze eine ungewöhnliche katholische Gemeinde. Sie ist aus einer ehemaligen Militärgemeinde erwachsen, trifft sich in der evangelischen Lutherkirche und mischt sich ins Ortsleben ein – etwa zum Martinsfest. Kleine christliche Gemeinschaften bilden: auch das ist eine Zukunftsaufgabe in den Pastoralen Räumen. 
   Bille-Elbe-Sachsenwald hat nicht nur Bäume und Flüsse, sondern auch Berge. „Heidi!“ Zu Drehorgelklängen präsentierten die Reinbeker ihre Herz-Jesu-Kirche, zu der man tatsächlich steil hochwandern muss. Dort feierte die „Gründergemeinde“ des Pas-toralen Raumes ihren Gottesdienst, wenige Meter vom „Ort kirchlichen Lebens“ St. Adolf-Stift und vom Kloster der Elisabeth-Schwestern entfernt. 

Kirche auf dem Berg und im Pappkarton

Zur Pfarrei Reinbek gehört das nördlicher gelegene Glinde. Mit einer Kirche aus Pappkartons waren die Glinder gekommen: Die große Kirche wird derzeit saniert. Nicht weniger als 42 aktive Gruppen gibt es in dieser Gemeinde:  Hilfsaktionen für Kinder in Indien, einen Männerkreis, der seit vielen Jahren Flüchtlinge unterstützt, Treffs für Portugiesen und Afrikaner. 
   Östlich von Reinbek wird es ländlich – und weit. Die Gemeinden der Pfarrei St. Benedikt haben die größte Erfahrung im Zusammenwachsen. Seit zehn Jahren bilden Geesthacht, Schwarzenbek, Lauenburg und Büchen eine Pfarrei, die von der Hamburger Stadtgrenze bis an den Rand Meck-lenburgs reicht. Ganz „hinten“, in Büchen, befindet sich einer der seltenen Orte im Bistum, in der die Marienverehrung blüht. Zu Mariä Himmelfahrt ziehen Katholiken aus der ganzen Pfarrei in einer Wallfahrt zur Marienkapelle. 

Eine Kolpingsfamilie, ohne die nichts geht

Lauenburg und Geesthacht sind außerdem Hochburgen der Kolpingsbewegung. Melanie Förster stellte nicht nur einen Teil ihrer Kolpingsfamilie Geesthacht vor, sondern auch deren Aktivitäten rund ums Kirchenjahr: Ohne die Kolpingsfamilie als „harten Kern“  wäre der Pfarrgarten ein Urwald. Es gäbe keine Weihnachtsbäume, die Gutes in Afrika tun – und auch in Liturgie und Katechese sähe es  ohne die Kolpinger schlecht aus. 
   Die Stärke von Schwarzenbek sind die vielen jungen Familien. Eine lange Tradition, die sich etwa in der Gemeindeband niederschlägt. „Jesus Christ, You are my life“ , mit diesem Weltjugendtags-Hit machten die Musiker hörbar, was die zehn Gemeinden zwischen Elbe und Bille zusammenbringt. 

Entscheidend sind die kleinen Zellen des Glaubens

Soviel zum Ist-Zustand. Generalvikar Ansgar Thim erklärte, worauf es in Zukunft ankommt. „Es geht nicht in erster Linie um Gemeindefusion. Sie eröffnen einen kirchlichen Entwicklungsraum.“ Dass der mitgliederstärkste Raum nicht der erste ist, habe Vorteile. „Sie können auf vieles zurückgreifen, was in den anderen Räumen schon entwickelt wurde.“ Eine Erfahrung formulierte der Generalvikar als Bitte: „Dass Haupt- und Ehrenamtliche überlastet sind, ist eines unserer größten Probleme. Ich bitte Sie, die Entwicklung zum Pastoralen Raum nicht noch als zusätzlichen Prozess draufzusetzen. Es wird auch Dinge geben, die wir herunterfahren müssen.“ 
   Die Kirche von morgen könne an ungewohnten Orten zu finden sein. Sie lebt von kleinen Zellen, in denen Christen das Evangelium leben. Ansgar Thim: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind... das wird das Wort der Zukunft sein.“ 

Text u. Foto: Andreas Hüser