07.06.2017

Größtes ökumenisches Ereignis zum Reformationsjahr in Schwerin

„Raus mit der Botschaft!“

Es war das größte ökumenische Ereignis zum Reformationsjahr im Norden: Rund 3 000 Menschen sind am Pfingstmontag im Schweriner Dom und anschließend auf dem Marktplatz zusammen gekommen.

Erzbischof Stefan Heße, der zukünftigen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Landesbischof Gerhard Ulrich schmeckt das Festessen.
Erzbischof Stefan Heße, der zukünftigen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Landesbischof Gerhard Ulrich schmeckt das Festessen.  Foto: Antonia Schindler

„Gemeinsam die Stimme erheben“, hieß das Motto der Feier. Und es kamen sehr viele. Als der Gottesdienst im Dom begann, mußten viele Besucher stehen. Die Lesung aus der Apostelgeschichte erzählt, wie der Heilige Geist in die Jünger fuhr, die sich nach Jesu Tod verkrochen hatten. Und wie sie dann offen auf die Straße traten und alle Sprachen sprechen konnten. Sie hatten verstanden, dass sie nun die Botschaft Gottes in die Welt hinaustragen können. 

Nach der Lesung gehen alle Menschen in einer Prozession vom Dom nach draußen. Dort geht der Gottesdienst bei strahlendem Sonnenschein weiter. In seiner Predigt erklärt Erzbischof Stefan Heße: „Wir müssen den Geist hinaustragen in den Alltag. Es ist kein Witz, dass wir den Gottesdienst einfach mal anders feiern und nach draußen gehen. Nein, wir müssen raus mit der Botschaft. Wir müssen gleich beim Essen teilen, damit alle etwas bekommen: so geht Pfingsten heute.“ Pfingsten sei zwar ein Fest, dass schwer zu begreifen sei. Wichtig sei, dass wir uns von Pfingsten erfassen lassen.

Landesbischof Gerhard Ulrich geht in seiner Predigt auf Pfings-ten in Zeiten von Krieg und Terror ein. „Da wünscht man sich eine geschlossene Gesellschaft. Rückzug, Angst vor dem, was draußen passiert. Pfingsten zeigt uns, dass das der falsche Weg ist. Pfingsten verheißt Kraft und Aufbruch. Gott schaffte eine Gemeinschaft der Vielfalt. Pfingsten bringt Menschen aus der ganzen Welt zusammen.“

Die Tischrede hält Manuela Schwesig, bisher Bundesfamilienministerin. Sie soll das Amt des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Erwin Sellering übernehmen und hat in ihrer Wahlheimat ein „Heimspiel“. 

Man merkt es auch den anderen Menschen auf dem Marktplatz an: Sie genießen es, hier zusammen zu sitzen. Die Stimmung ist ausgelassen. Trotz zahlreicher Nachrichten über Terrorattacken in den letzten Tagen – in Schwerin ist die Welt offensichtlich noch in Ordnung. Zwischen den Predigten und Gebeten singt immer wieder ein Gospelchor – und bringt pure Lebensfreude ins Publikum. Es wird im Takt geklatscht und geschunkelt. 

Die Pfingstbotschaft war nie so wichtig wie heute

Nach dem Gottesdienst wird das Essen aufgetragen. Alle 85 Tische auf dem Marktplatz haben Tischherren oder Tischherrinnen. Sie haben ihre Tische individuell geschmückt und bringen Essen und Trinken zu den Gästen. Anne Ruddat (26) und Julian Barckhausen (28) sind aus Güstrow angereist. Anne wurde von einem Mitglied des Organisationsteams gefragt, ob sie Lust hat, mitzumachen. Sie hat gleich ihren Freund Julian eingespannt. Anne findet den Geist toll, der hier zu spüren ist. Pfingsten ist Verständigung zwischen Völkern und Religionen. Und heute feiern katholische und evangelische Christen miteinander, auch Muslime und Juden sind dabei. Vielleicht ist die Idee, dass irgendwann überall Frieden herrscht, doch nicht so abwegig. Nach Pellkartoffeln mit Quark und Erdbeeren zum Nachtisch verlassen die Gäste das Fest mit einem positiven Wir-Gefühl. Und mit der Gewissheit: die Botschaft von Pfingsten war nie so wichtig wie heute.

Text u. Foto: Antonia Schindler