23.08.2017

65 Jahre Italienische Katholische Mission in Hamburg

„Mit Gott rede ich italienisch“

Sozialstation, Gottesdienst, geselliger Treffpunkt: Seit 65 Jahren ist die Italienische Katholische Mission Hamburg eine feste Anlaufstelle der italienisch sprechenden Katholiken im Norden.

Vertreter der Italienischen Katholischen Mission in Hamburg
Don Pierluigi Vignola mit seinem Neffen Gerardo Santopietro, Nicoletta Avantario und Pasquale Dileone (v.r.).  Foto: Sendker

Pasquale Dileone (72) kam vor 42 Jahren nach Hamburg. Er hat sich als Reiseveranstalter einen Namen gemacht. Früher ist er mit Msgr. Wilm Sanders nach Rom gefahren, er hat für die Katholische Akademie gearbeitet. Einmal im Jahr fährt er noch immer mit einer Gruppe in den Wallfahrtsort Lourdes. Zum Gottesdienst geht er selbst zur Italienischen Mission. „Ich verstehe den deutschen Gottesdienst, aber er berührt mein Herz nicht. Mit Gott rede ich italienisch“, sagt er. 

Die Mission war Anlaufstelle für viele, die kamen wie er. „Wer damals Hilfe brauchte, ging nicht zum Konsulat, sondern zur Mission. Die Mission war mehr Sozialstation als religiöser Anlaufpunkt“, erinnert er sich. 

Auch für Nicoletta Avantario (77) ist die Mission ein zweites Zuhause. „Hier gab es immer alles: Gottesdienst und Gesellschaft, italienische Sprache, Hilfe, Heimatgefühle.“ 1964 kam sie aus Apulien, sie folgte ihrem Mann, der schon vier Jahre in der Hansestadt arbeitete. Seit zwölf Jahren ist sie Witwe. In Italien fühlt sie sich fest verwurzelt, mindestens einmal im Jahr ist sie dort. Und mit dem Flugzeug ist die Reise nach Südostitalien viel schneller und bequemer als in den 60-er Jahren. Ihre beiden Kinder seien zu 70 Prozent deutsch, zu 30 Prozent Italiener, sagt sie. Ebenso wie Pasquale Dileone engagiert sich Nicoletta Avantario im Pastoralrat, in der Mission gibt es immer etwas für sie zu tun und sie unterstützt den Pfarrer. 

Das ist seit drei Jahren Don Pierluigi Vignola (52). Er ist Seelsorger für rund 30 000 katholische Italiener im Norden – nach der polnischen ist die italienische Gemeinde die zweitgrößte fremdsprachige Mission des Erzbistums. Dafür muss sich Don Pierluigi sonntags auf weite Wege machen: Auch in Bremen und Lübeck feiert er regelmäßig Gottesdienste. 

In Hamburg treffen sich die Gemeindemitglieder sonntags um 17.30 Uhr, im Sommer erst um 18 Uhr zum Gottesdienst. Erste Anlaufstelle vor 65 Jahren war ein Zimmer unter dem Dach des Kinder- und Jugendhauses St. Elisabeth in Bergedorf. Der Priester Don Alfredo Prioni aus Como war als erster Seelsorger am 9. Januar 1952 nach Hamburg gekommen. 1955 wurde die Mission in die Seemannsmission Stella Maris in die Reimarusstraße verlegt, denn zu jener Zeit gingen viele italienische Seeleute in Hamburg von Bord. Ab Mitte der 50-er Jahre kamen aber auch viele andere als „Gastarbeiter“, um Arbeit zu suchen. Sie fanden sie auf den Werften wie Blohm+Voss, in Spinnereien und Kämmereien. 

Don Prioni war bis 1962 nicht nur Seelsorger und Sozialbetreuer, er begleitete seine Landleute ebenso als Dolmetscher zu den Behörden. 1960 zog er mit der Mission in ein Gebäude an der Alfredstraße, bevor 1992 das Haus an der Bürgerweide 31 die feste Adresse der Gemeinde wurde. In der Kapelle der Sankt-Ans-gar-Schule feiert die Gemeinde Gottesdienst, anschließend trifft sie sich im großen Saal, um zum gemütlichen Teil überzugehen. Manche nehmen dafür lange Wege auf sich, erzählt Pasquale Dileone, viele Gemeindemitglieder kommen aus dem Hamburger Umland. 

Zur Geschichte der Mission gehört auch die evangelische Organistin Irmgard Gerke: 37 Jahre spielte sie ehrenamtlich in den Sonntags- und Festtagsmessen die Orgel. Im Jahr 2005 wurde sie dafür durch Weihbischof Hans-Jochen Jaschke mit einer Verdiensturkunde geehrt.

Zuerst Handwerker, dann Akademiker

An Padre Quintino erinnert sich die Gemeinde ebenfalls gut: Er richtete 1993 eine eigene Schule für die italienischen Kinder im zweiten Stock der Mission ein, die bis 2011 bestand.

Auf besonderen Wunsch des Pfarrgemeinderates ist die Madonna von Loreto seit 2011 offiziell Patronin der Mission.

Im Laufe der 65 Jahren hat sich manches verändert. „In der ers-ten Zeit kamen vor allem Handwerker. Heute dagegen sind es viele Akademiker, die nach dem Studium hier Arbeit suchen“, erzählt Pasquale Dileone. Heute sei die Mission weniger Sozialstation, die Religion stehe an erster Stelle. Und mittlerweile prägten nicht nur Italiener, sondern auch viele italienisch sprechende Albaner und Afrikaner das Gesicht der Mission. Wünschen würde sich Pasquale Dileone mehr finanzielle Unterstützung des Erzbistums, gerade auch zum Jubiläum.