28.06.2017

Nachbarschaftshilfe mal anders

„Guten Morgen Steilshoop!“

Mit einem morgentlichen Anruf wollen Ehrenamtliche in Steilshoop künftig allein lebende Menschen in den Stadteil mit einbinden. Eine gute Idee, die nun ins Rollen kommen muss.

 

Mit dem Telefon in der Hand: Die Ehrenamtlichen des Projektes „Guten Morgen Steilshoop“.  Foto: Isabella Sauer

Neun Ehrenamtliche aus der katholische Gemeinde St. Johannis, der evangelischen Martin-Luther King-Gemeinde und der Beratungsstelle „Augen auf“ der Arbeiterwohlfahrt haben das Projekt „Guten Morgen Steilshoop“ ins Leben gerufen: Menschen aus Steilshoop und Bramfeld sollen den Telefondienst zu einem festgelegten Tag zu einer abgesprochenenen Uhrzeit künftig nutzen. Dass es in Steilshoop sehr viele alleinlebende ältere Menschen, gibt, weiß Beatrice Roggenbach vom Quartiersentwicklungsprojekt Q8, das sich auf Initiative der Stiftung Alsterdorf für ein besseres Miteinander in einem Stadtteil einsetzt: „Mir ist schon oft zu Ohren gekommen, dass jemand sagte, ‚Wer merkt es denn, wenn mir plötzlich etwas passiert?‘ “ Mit dem neuen Telefonangebot sollen sich die Anwohner nicht länger alleine fühlen und die Möglichkeit erhalten, mit Nachbarn und Menschen aus der Umgebung in Kontakt zu treten.

Die Resonanz lässt noch zu wünschen übrig

Die Idee entstand im vergangenen Frühjahr, im März diesen Jahres ging es los. Doch aller Anfang ist schwer, bisher gab es kaum Resonanz. Das findet Waltraud Teuber-Thomsen, die für die Senioren in der St. Johannis-Gemeinde zuständig ist, schade: „Nur fünf Leute haben schon einmal durchgeklingelt.“ Die Katholikin vermutet, dass für viele die Hemmschwelle doch sehr groß ist. „Dabei wollten wir mit unserem Vorhaben genau das Gegenteil erreichen.“ Der Kontakt über das Telefon bleibe ja anonym. Und natürlich unterliegen die Ehrenamtlichen der Verschwiegenheitspflicht, fügt Alice Daschke hinzu. Neben Deutsch können die Gespräche auch auf Englisch und Türkisch geführt werden. Trotz der wenigen Anrufe glauben die aktiven Ehrenamtlichen an „Guten Morgen Steilshoop“. Das Projekt müsse erst einmal ins Rollen kommen, so ihre Hoffnung. „Wir stehen in den Startlöchern, um angerufen zu werden“, sagt Ingrid Frost. 

Und so funktioniert die Telefonkette: Wer angerufen werden möchte, wählt montags oder mittwochs zwischen 10.30 und 12 Uhr die Telefonnummer 0163 / 138 36 45. Ein Mitglied der Projektgruppe nimmt Name und Telefonnummer auf und vereinbart einen Termin für ein erstes nachbarschaftliches Gespräch. Außerhalb der Sprechzeiten kann eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden.

Um auf viele Situationen richtig vorbereitet zu sein, haben die neun freiwilligen Helfer eine Telefongesprächsschulung absolviert. Aus ganz unterschiedlichen Gründe haben sie sich für diesen Dienst gemeldet. Fatemeh Ahrari Moghaddam macht zum Beispiel mit, weil sie anderen Menschen aus der Nachbarschaft gern eine Freude machen möchte. Und Christiane Rattay sagt: „In Steilshoop leben viele ältere Bürger, die nicht mehr vor die Tür gehen können. Die brauchen jemanden zum Reden, und sei es nur über das Wetter.“ 

Damit bald mehr Menschen zum Telefonhörer greifen, haben sich die Gruppenmitglieder jetzt dafür entschieden, mit einem persönlichen Foto dafür zu werben: So wollen sie dem Projekt ein Gesicht geben und damit die Hemmschwelle senken.

Text u. Foto: Isabella Sauer