04.02.2015

Prior Br. Johannes und sein Vorgänger Br. Leo über die Zukunft und Vergangenes im Kloster Nütschau

„Ein wenig atemlos“

Nein, an die Spitze des Priorats der Benediktiner in Nütschau hat sich Bruder Johannes Tebbe nicht gedrängt. Im Gegenteil, die Wahl hat ihn ein Stück weit überrascht. Sein Vorgänger Bruder Leo Overmeyer freut sich über den Generationswechsel – und er hat einen Rat für seinen Nachfolger.

Prioren unter sich (v. links): Bruder Gaudentius, Bruder Leo und Bruder Johannes. Foto: Br. Lukas/Kloster Nütschau

„Ich bin froh, dass Bruder Johannes gewählt worden ist. Er vertritt die Generation, die hier in Nütschau eingetreten ist“, sagt Bruder Leo im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Sieben der derzeit 19 Brüder gehörten noch zu denen, die aus der Benediktinerabtei Gerleve bei Münster in den Norden kamen, wo das Kloster Nütschau bei Bad Oldesloe 1951 gegründet wurde. Für ihn sei es auch „ein hoffnungsvolles Zeichen“, so Bruder Leo, dass sich die Mönche so schnell auf Bruder Johannes einigen konnten. Es gebe einen Generationswechsel sowohl an der Spitze des Klosters, als auch an der Spitze des Erzbistums mit dem künftigen Erzbischof Stefan Heße. Beides seien Zeichen, „dass die Kirche nicht vergreist“, so Bruder Leo, der jedoch einschränkt, dass auch ältere Leute oftmals sehr wohl offen für Neues seien. 

Probewahl am Vorabend ergibt ein Stimmungsbild

Am Dienstag vergangener Woche wurde das Wahlergebnis während des Mittagsgebetes bekannt gegeben und Abtpräses Albert Schmidt sprach den Segen für den neuen Prior und das Kloster. Wie ein Prior gewählt wird, erzählt Bruder Johannes, der dieser Tage seinen 42. Geburtstag feierte. So gebe es weder eine Personaldiskussion in großer Runde, noch eine Sammlung von Vorschlägen oder gar eine Kandidatur. „Vielmehr findet eine Vielzahl von Gesprächen untereinander statt, sei es mit einzelnen Mitbrüdern oder auch mit mehreren“, sagt Bruder Johannes. Es sind Gespräche, in denen ausgelotet wird, was die Gemeinschaft braucht, wo sie steht und welche Erwartungen an einen neuen Prior geknüpft werden. „Das Ergebnis offenbart sich dann in einer Vorwahl am Abend vorher, in einem sogenannten Pro Skrutinium. Das ergibt ein Stimmungsbild. Da schläft man dann eine Nacht drüber und dann wird am nächsten Tag gewählt. Und da hat es mich getroffen“, erläutert der neue Prior.

Diese Formulierung ist nicht ohne Bedacht gewählt. „Es ist kein Amt, das ich angestrebt habe; es ist keine Aufgabe, die man sich wünscht“, sagt Bruder Johannes. Vielmehr sehe er darin eine Herausforderung, „die mich auch ein wenig atemlos macht.“ Zugleich sei das Ergebnis sehr schön, „weil die Mitbrüder mir etwas zutrauen, mir etwas anvertrauen und Vertrauen schenken. Das gibt Kraft für das Kommende.“

Auch Bruder Johannes spricht von einem Generationswechsel, was jedoch nicht bedeute, dass es einen Graben zwischen Jung und Alt gäbe. Doch „die Jüngeren sind jetzt an der Reihe, mehr Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur im Amt des Priors, sondern auch bei anderen Aufgaben, die neu verteilt werden müssen.“ Insgesamt entwickle sich das Kloster positiv. Zwei Postulanten (Aufnahmebewerber) leben seit zwei Monaten in der Gemeinschaft, außerdem stehe eine Profess an. „Das zeigt, dass der Weg des Mönchtums auch im 21. Jahrhundert aktuell ist“, glaubt der Prior. Er wünscht sich für die Zukunft, dass die Mönche sowohl allein als auch als Gemeinschaft auf das hören, „was Gott, was sein Geist uns heute sagen will.“ Und dass die Gäste weiter ins Kloster kommen. 

Für Bruder Leo beginnt eine sechsmonatige Sabbatzeit

Er werde jetzt zunächst einmal viele Gespräche mit den Mitbrüdern führen, Anregungen, Erwartungen und Wünsche aufnehmen: „Das alles wird mir helfen, die nächsten Schritte zu planen und zu gehen. Ich glaube, das Hinhören ist im Moment das Wichtigste.“

Bruder Leo wird ab dem 23. Februar erst einmal eine Sabbatzeit einlegen, für drei Monate nach Israel reisen und dann noch drei Monate in seiner oldenburgischen Heimat, im Kloster Damme verbringen. „Ich werde viele Menschen besuchen und vertraute Wege gehen. Back to the roots: Woher komme ich? Wo sind meine Wurzeln? Das ist mir wichtig“, sagt er und zitiert schmunzelnd eine Regel für Vorgänger: „Er soll sechs Monate außer Haus sein, um dem Neugewählten nicht im Wege zu stehen.“ Danach, so Bruder Leo, werde er zurückkommen. Er könne sich gut vorstellen, dann viele Gespräche mit den Gästen zu führen und so den offiziellen ersten Gastbruder zu entlasten. 

Wenn Bruder Leo zurückblickt, dann erinnert er sich besonders gerne an die Unterstützung, die dem Konvent von Beginn an zuteil wurde: „Wir haben viel Hilfe erfahren, materiell aber auch ideell.“ Ein Höhepunkt seiner Amtszeit sei sicher die Einweihung des  Herrenhauses von 1577 gewesen, dessen Sanierung sechs Jahre dauerte. Er sei zutiefst dankbar, sagt der 75-Jährige, „dass in diesen 20 Jahren doch manches geworden ist“, und zwar durch die Hilfe der Mitbrüder und vieler Menschen, die dem Kloster nahestünden. 

Wenn er seinem Nachfolger einen Rat zu geben hätte, dann vielleicht, sich an einem Wort des heiligen Benedikt zu orientieren, das auch ihn geleitet habe. „Benedikt wünscht sich vom Abt – hier ist es der Prior – dass er der Eigenart Vieler dienen soll.“ Jeder Bruder habe seine guten Gaben, aber auch seine Grenzen und Schattenseiten und der Prior solle sie nehmen, wie sie sind. Bruder Leo wünscht seinem Nachfolger aber auch, „dass er den Mut hat, neue Wege zu gehen.“ Und, dass man im Kloster immer auf das hört, was Gott von uns in dieser Zeit will. „Das wünsche ich mir, dass er dieses offene Ohr hat und wir alle mit ihm.“

Text: Marco Heinen u. Marco Chwalek