11.01.2017

Der Fotograf Ralf Adloff erzählt von den Empfängen bei Kanzlerin und Bundespräsident – und warum alle Könige in seine Kamera gucken

„Die Besuche beim Bundespräsidenten sind oft ganz locker“

Tausende Sternsinger hat der Hamburger Ralf Adloff (44) schon vor der Linse gehabt. Denn er ist offizieller Fotograf der deutschen Sternsingeraktion, getragen vom Kindermissionswerk und Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). 

Die Kanzlerin, der Bundespräsident, Ministerpräsidenten und Bürgermeister – alle möchten den Segen der Sternsinger haben. Dazu kommt der bundesweite Auftakt, jedes Jahr in einer anderen Stadt. Haben Sie mal gezählt, wie viele Sternsinger Sie schon fotografiert haben? 

Wenn man bedenkt, dass allein im Kanzleramt Sternsinger aus 27 Diözesen anreisen, kommen in acht Jahren schon einige zusammen. 10 000 mindestens. In diesem Jahr war die Auftaktveranstaltung in Neumarkt im Bistum Eichstätt. Es kamen 2 200 Kinder – in die Stadthalle, denn keine Kirche am Ort war groß genug. 

Höhepunkte sind sicherlich die Berliner Empfänge. Was kann man da erleben? 

Einmal bekamen wir kurz vor dem Abmarsch zum Schloss Bellevue einen Anruf: „Wir kriegen die Treppe nicht mehr eisfrei.“ Normalerweise wird der Segen draußen an der Tür angebracht. Als wir da waren, sagte der damalige Bundespräsident Christian Wulff: „Ich möchte auch den Segen in meinem Büro.“ Zum Schrecken der Sicherheitsleute schwärmte der ganze Tross durch das Gebäude bis in das Präsidentenbüro, wo der Präsident den Kindern alles zeigte, was ihn gerade beschäftigte. Die Besuche beim Bundespräsidenten sind oft ganz locker. Die Kinder können Fragen stellen. Etwa: Wie fahren Sie zum Staatsbesuch nach Afrika? Oder: Gehen Sie noch selbst einkaufen? 

Und? Kauft er selbst ein? 

Bundespräsident Gauck hat uns genau beschrieben, wie er das macht. Wenn er etwas Besonderes braucht, ruft er im Wachgebäude an, dann fährt er mit dem Fahrrad los, begleitet von zwei Sicherheitsleuten per Rad, und geht in ein Geschäft. Bei Joachim Gauck merkt man: Der kann richtig gut mit Kindern umgehen. Als ehemaliger Pastor hat er einfach ein Gefühl für die Sternsinger-Aktion. 

Und wie empfängt Sie die Kanzlerin? 

Im Kanzleramt ist es ganz anders, alles auf die Minute getaktet. Dabei sind 100 Fotografen und 20 Fernsehteams – und viel mehr Sternsinger als beim Bundespräsidenten. Da gibt es keine Zeit für Gespräche. Trotzdem glaube ich, dass Frau Merkel diesen Empfang gern macht. Das hat man vor drei Jahren gesehen, als sie einen Skiunfall hatte. Kanzleramtschef Altmaier hat die Rede und das Defilee übernommen. Aber dann kam die Kanzlerin doch noch. Man sah, wie viel Mühe ihr das Gehen auf Krücken machte. Aber sie war da. 

Zu dem müsst ihr gucken:
Sternsingerfotograf Ralf Adloff. 
Foto: privat

100 Fotografen drängeln sich in einem Pulk. Wie bekommt man da das beste Bild? 

Wir haben da einen bewährten Trick. Ich setze – natürlich als einziger Fotograf – eine Krone auf. Die Sternsinger im Raum wissen: Der mit der Krone, das ist unser eigener Sternsinger-Fotograf. Zu dem müsst ihr hinschauen! 

Die Kinder sind immer andere, die Empfänge immer ähnlich. Wird das nicht für den Fotografen langweilig? 

Nein. Allein die Kostüme sind ja immer neu und sehenswert. Bei den großen Empfängen kommt ja keiner in zusammengenähten Gardinen. Einige haben sogar Sterne mit Beleuchtung. Es gibt Kostüme, die aus alten Messgewändern bestehen, mit kostbaren Goldstickereien. Wenn man nicht nur das Foto haben will, das alle haben, wird es nie langweilig. Man entdeckt immer wieder etwas Neues.

Aktuelle Fotos von Ralf Adloff sind zu finden auf den Internetseiten der Sternsingeraktion: www.sternsinger.org

Interview: Andreas Hüser