30.08.2017

Paul Josef Kardinal Cordes besucht die Gedenkstätte Lübecker Märtyrer

„Das Martyrium ist der Ernstfall“

Überraschender Gast in Lübeck: Paul Josef Kardinal Cordes besuchte die Gedenkstätte Lübecker Märtyrer und feierte in der Krypta der Propsteikirche Herz Jesu einen Gottesdienst.

Bärbel Baum erläutert Paul Josef Kardinal Cordes u. Prof. Dr. Burkard Sauermost die Gedenkstätte Lübecker Märtyerer in der Propsteikirche
Dr. Bärbel Baum, ehrenamtliche Führerin der Gedenkstätte, erläuterte Paul Josef Kardinal Cordes (ganz rechts) sowie Prof. Dr. Burkard
Sauermost (mit Buch) und Bruder Gregor Mundus die Gedenkstätte und die Propsteikirche.  Foto: Marco Heinen

Paul Josef Kardinal Cordes, früherer Kurienkardinal am Heiligen Stuhl, besuchte Ende vergangener Woche das Erzbistum. In Hamburg traf er in Vorbereitung auf eine für den Winter geplante Diskussionsveranstaltung mit dem Liedermacher und Bürgerrechtler Wolf Biermann zusammen. Der Kardinal, der viele Jahre Mitglied der römischen Selig- und Heiligsprechungskon­gregation war, besuchte auch das Kloster Nütschau und die Pfarrei zu den Lübecker Märtyrern in Lübeck. In der Hansestadt ließ er sich am Samstagmorgen zunächst die Gedenkstätte Lübecker Märtyrer zeigen, bevor er in der Krypta der Propsteikirche Herz Jesu in kleinem Kreis eine heilige Messe zelebrierte. Dabei erinnerte er daran, dass in der frühen Kirche nur die Märtyrer als Heilige verehrt wurden. „Es war ein langer Prozess, bevor man entdeckte, dass nicht nur das Martyrium die ganze Hingabe an den Herrn und den Glauben besiegeln kann“, so Kardinal Cordes. Der heilige Martin von Tours sei einer der Ersten gewesen, „die als Heilige verehrt wurden, obwohl sie keine Märtyrer waren“. Dennoch sei es wichtig, „dass wir die Grundkategorie der Heiligkeit immer wieder neu in den Märtyrern entdecken. Das Martyrium ist der Ernstfall“, sagte Kardinal Cordes, der das Messgewand des seligen Johannes Prassek trug.

Das Messgewand zu tragen, sei „eine Ehre, aber auch ein Ansporn“, sagte er später, als er sich ins Gästebuch der Gedenkstätte eintrug. „Wir leben ja immer von den Zeugen, die uns vorausgegangen sind und haben auch Angst davor, uns ins Zeugnis ganz einzubringen. Und ich hoffe, dass der selige Johannes Prassek mir hilft, ein guter Zeuge zu sein“, bekannte der emeritierte Kardinal, der an diesem Sonntag 83 Jahre alt wird.

Da bei Märtyrern das Blutzeugnis ausreiche, um heilig gesprochen zu werden, sei „der Weg frei zur Heiligsprechung“, gleichwohl die Fakten und Quellen natürlich erneut geprüft würden. Wie lange das dauere, stehe jedoch auf einem anderen Blatt Papier.

Bei der für den Winter geplan­ten Veranstaltung werde es um die Frage gehen, was ein „engagierter Agnostiker“ wie Wolf Biermann und ein Kardinal aus der Mitte des katholischen Glaubens voneinander lernen können, erläuterte Prof. Dr. Burkard Sauermost, der Kardinal Cordes begleitete.

Text u. Foto: Marco Heinen