03.08.2016

Eine Gedenkveranstaltung erinnert an die Sprengung der Rostocker Christuskirche vor 45 Jahren

„Das machen wir wie in Leipzig“

Am 12. August 1971 wurde unter dem Vorwand einer geplanten Stadtsanierung die katholische Christuskirche in Rostock gesprengt. 45 Jahre danach erinnern eine Gedenkveranstaltung und eine Ausstellung an diesen Willkürakt. 

Zahlreiche Zuschauer, darunter viele Katholiken, erlebten am 12. August 1971 die Sprengung der Christuskirche. 
Foto: Archiv Christusgemeinde

„Das machen wir wie in Leipzig. Morgens wachen die Rostocker auf, und dann ist die Kirche weg“, so kündigte ein Rostocker Stadtvertreter auf einer Wohnbezirksversammlung die Maßnahme an. Er bezog sich damit auf die Sprengung der Leipziger Universitätskirche 1968 – auch diese katholische Kirche in einer Großstadt war der DDR-Führung ein Dorn im Auge. 

Vorwand für die Sprengung war der geplante Umbau der Stadt in eine sozialistische Musterstadt. Obwohl der Stadtspitze schell klar war, dass sich das völlig überzogene Städtebaukonzept schon aus finanziellen Gründen nicht umsetzen lassen würde, hielt sie trotz Protesten an der Sprengung der Christuskirche fest.  

Die Christuskirche, damals noch die einzige katholische Kirche in Rostock, gehört damit zu den letzten Baudenkmälern in der DDR in einer ganzen Reihe, die insbesondere wegen der geplanten Umgestaltungen zu sozialistischen Stadtzentren weichen mussten. Nach der Sprengung der Kirche am Schröderplatz blieb die Fläche bis 2012 unbebaut. Die katholische Gemeinde baute am Stadtrand neu, die heutige Christuskirche am Häktweg. 

Die Katholische Christusgemeinde Rostock, die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Stasi-Unterlagen, das Heinrich-Theissing-Institut und das Thomas-Morus-Bildungswerk Schwerin werden mit einer Ausstellung und in einer gemeinsamen Veranstaltung am 10. August um 17 Uhr im Gemeindezentrum der Christuskirche Rostock (Häktweg 4–6), an die willkürliche Zerstörung der Kirche erinnern. 

Nach einem kurzen Filmbeitrag wird der Historiker Dr. Georg Diederich über die Hintergründe der Kirchensprengung sowie den Neubau der Kirche informieren, die Ereignisse in den geschichtlichen Zusammenhang einordnen und mit Zeitzeugen diskutieren. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss an die Veranstaltung lädt die Gemeinde zu einem Gottesdienst ein.

Text: nkz