10.04.2019

Bekenntnis zur Kirche in schwerer Zeit

Erzbischof Stefan Heße hat Szymon Nowaczyk zum Diakon geweiht, „in einer Zeit, die wahrlich nicht leicht ist für uns als katholische Kirche“, wie er sagte. Der gebürtige Pole wird in der Elmshorner Pfarrei Heiliger Martin eingesetzt.

Szymon Nowaczyk (kniend) empfing die Weihe durch Erzbischof Stefan Heße.

Szymon Nowaczyk (kniend) empfing die Weihe durch Erzbischof Stefan Heße.  Foto: Marco Heinen

Die Gäste kamen aus Wismar und Friedrichstadt, aus Quickborn und Elmshorn in den Hamburger St. Marien-Dom: Szymon Nowaczyk ist im Erzbistum schon weit herumgekommen, hat Freunde gefunden. Viele von ihnen wollten am Samstag, 6. April mit dabei sein, bei der Weihe des 37-jährigen gebürtigen Polen zum Dia-kon. Aus Hamburg-Bergedorf, wo Nowaczyk ein längeres Praktikum absolviert hatte, war sogar eine eigens gegründete Band gekommen, die im Dom aufspielte. 

Rund 250 Menschen versammelten sich dort zum Gottesdienst, an dem neben Erzbischof Stefan Heße auch Weihbischof Horst Eberlein sowie die emeritierten Bischöfe Werner Thissen und Hans-Jochen Jaschke sowie zahlreiche Priester teilnahmen.

Heße dankte dem aus dem Städtchen Środa Wielkopolska (ehemals Schroda) bei Posen stammenden jungen Mann für seinen Entschluss. Nowaczyk empfange die Weihe „in einer Zeit, die wahrlich nicht leicht ist für uns als katholische Kirche“, so Heße. Die Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern seien derzeit in Gesprächen stets das Erste, was zur Sprache komme. „Im Moment katholisch zu sein, ist wirklich nicht angenehm“, so der Erzbischof. Als Diakon möge Nowaczyk stets ein offenes Auge haben und sich besonders für den Schutz der Jüngsten einsetzen, appellierte Heße.

Im Anschluss an den fast zweistündigen Gottesdienst zeigte sich der Diakon überaus glücklich: „Beim Einzug spürte ich, wie ich mich einfach führen lasse; dass das nicht ich bin, sondern ein anderer für mich momentan führt.“ Er habe 2018 in der Tat noch hinterfragt, ob er in dieser Kirche tätig sein wolle. Seine Antwort war eindeutig: „Ja, natürlich. Da kann man zeigen, dass die Kirche auch anders ist, dass wir voll dabei sind und wir unser Christsein mit- und füreinander leben.“

Angereist waren auch einige von Nowaczyks Angehörigen: „Es ist toll, wir freuen uns sehr für ihn. Möge Gott ihn schützen“, sagte seine Schwester auf Englisch. Anne Leibold aus Wismar, in deren Familie Nowaczyk fast vier Jahre als Au-pair verbrachte, schilderte ihn als „nah bei den Menschen“ und jungen Mann „mit dem Herz am rechten Fleck“. Szymon Nowaczyk wird zunächst in der Pfarrei Heiliger Martin in Elmshorn seinen Dienst als Diakon tun.

Text u. Foto: Marco Heinen