10.04.2019

Als die Diaspora noch hart war

Bis 1809 gab es in Mecklenburg nur in Schwerin eine katholische Messe. „Häusliche Andacht“ war aber erlaubt. Bei allen Problemen: Die Katholiken fanden eigene Wege in dieser Diaspora-Situation. Das zeigt eine Ausstellung in Schwerin

Ausstellungsbesuch in der historischen Bibliothek St. Anna in Schwerin

Zeugnisse des Diasporalebens in Mecklenburg bis zum 19. Jahrhundert zeigt die neue Ausstellung in der historischen Bibliothek St. Anna. | Foto: Heinrich-Theissing-Institut

Katholiken hatten in den protes­tantischen Gebieten des Nordens nur wenige Möglichkeiten, an der Feier der heiligen Messe – dem himmlischen Mahl – teilzunehmen. Dazu nahmen sie weite Wege auf sich, denn bis 1809 war Schwerin der einzige Ort in Mecklenburg, an dem die heilige Messe gefeiert werden durfte. Häusliche Andachten dagegen waren allen Katholiken im Lande gestattet.

Kunstvoll gestaltete Messgewänder

„Häusliche Andacht und himmlisches Mahl – Volksfrömmigkeit und Liturgie in katholischen Dias-
poragemeinden vom 17. bis ins 19. Jahrhundert“, unter diesem Titel wurde die neue Ausstellung in der historischen Bibliothek St. Anna eröffnet. Die würdige Gestaltung der heiligen Messe war ein Hauptanliegen der Seelsorger und auch der Gläubigen. In der Ausstellung kann man sehen, wie schön und kunstvoll Messgewänder, Altarschmuck und sakrale Gegenstände gearbeitet waren. Bücher geben Auskunft über den Ablauf der heiligen Messe. Die ers­ten zwei für die Schweriner Gemeinde verfassten Gebets- und Gesangbücher zeigen das Bemühen, die Gemeinde an der Feier des Gottesdienstes aktiv zu beteiligen. Die Volksfrömmigkeit dieser Zeit spiegelt sich wider in vielen Büchern über das Leben von Heiligen, Andachtsbildern, kunstvoll gearbeiteten Reliquiaren und Büchern zur Anleitung für häusliche Andachten und Gebet. Ein weiterer Teil der Ausstellung ist den Glaubenszeugnissen der vielen Flüchtlinge und Vertriebenen gewidmet, die ab 1945 nach Mecklenburg strömten. Sie hatten in ihrem Gepäck auch Gebetsbücher und -zettel, Andenken an den Empfang der Sakramente und die Teilnahme an Wallfahrten aus der verlassenen Heimat. Aber auch polnische Wanderarbeiter und katholische Siedler brachten ihre Art, den Glauben zu leben, nach Mecklenburg mit. Viele Zusendung von Leihgaben aus Familien in Mecklenburg, aber auch aus Hamburg und Kiel machten eine Erweiterung der Ausstellung in das 20. Jahrhundert hinein möglich.

Die Ausstellung kann donnerstags von 15 bis 18 Uhr bis zum Ende dieses Jahres in Schwerin, Klosterstraße 15, besichtigt werden. Sonderführungen können unter Tel. 0385 / 555 80 45 angemeldet werden.

Text: Andreas Hüser