24.01.2018

Dramatische Veränderungen in der katholischen Schullandschaft

Acht Schulen müssen schließen

Die 21 katholischen Schulen in der Hansestadt waren bislang der Stolz der Hamburger Katholiken. Aber der Träger hat sich finanziell übernommen. Jetzt müssen acht von ihnen schließen. Das Defizit soll dadurch so weit sinken, dass die restlichen Schulen gerettet werden können.

Schüler auf dem Schulhof der katholischen Schule Harburg
Reges Treiben auf dem Pausenhof der katholischen Schule Harburg  Foto: John

Es würde Schulschließungen geben, das war schon länger klar. Trotzdem hoffte jede Schule, dass es sie nicht treffen werde. Am vergangenen Freitag teilte Generalvikar Ansgar Thim dann die Entscheidung mit. Sie bedeutet das Aus für fünf Schulen: die Domschule St. Marien, die Franz-von-Assisi-Schule in Barmbek, das Niels-Stensen-Gymnasium in Harburg, die katholische Schule Altona und die St. Marienschule in der Eulenstraße (Ottensen). 

Schon für das kommende Schuljahr werden keine Erst- oder Fünftklässler mehr aufgenommen. Etwas Hoffnung besteht noch für drei weitere Schulen: die Sophienschule in Barmbek-Süd, die katholische Schule Harburg und die katholische Schule Neugraben. Hier werde es Gespräche mit der Stadt über Alternativlösungen geben. „Für die dreizehn in der Trägerschaft der Kirche verbleibenden Schulen betont das Erzbistum seinen festen Willen, diese zu einem tragfähigen, profilierten Schulsystem weiterzuentwickeln und mit den notwendigen Investitionen zukunftssicher aufzustellen“, sagte Generalvikar Thim vor Journalisten. 

Der enorme Investitionsbedarf in die Schulgebäude ist eines der Probleme, die jetzt zu den Schließungen führen. Von den 158 Millionen Euro, die das Erzbistum in die Instandhaltung von Gebäuden investieren muss, entfällt mehr als die Hälfte (79 Millionen) auf die Schulen. Im laufenden Betrieb decken einige Schulen nicht die Einnahmen. Das Erzbistum muss zur Zeit jährlich 8 bis 13 Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln zuschießen. Dazu kommen weitere „Altlasten“: die Pensionsansprüche der Lehrer, für die keine ausreichenden Rücklagen gebildet wurden. Dr. Christopher Haep, Leiter der Abteilung Bildung im Erzbistum, nannte das Ziel: Nach einer Sanierungsphase sollen die katholischen Schulen kein Zuschussbetrieb mehr sein. Dann allerdings wird sich die katholische Schullandschaft verändert haben: Es wird womöglich nur noch zwei „Stadtteilschulen“ (Billstedt, Eimsbüttel) geben. Südlich der Elbe wird nur eine Grundschule (Wilhelmsburg) bleiben. Auch der soziale Zuschnitt wird sich verändern: viele der wegfallenden Schulstandorte befinden sich in sozial schwächeren Stadtvierteln. 

An die fernere Zukunft denken die betroffenen Lehrer, Eltern und Schüler aber noch nicht. Augenzeugen berichten von schockierten und weinenden Lehrern, als sie am Donnerstag von der Entscheidung erfuhren. Am Samstag organisierten Elternvertreter einen Protest am St. Marien-Dom. Die Schulen werden zwar weiter betrieben, bis die vorhandenen Klassen ausgelaufen sind. Aber einige Eltern, die schon Kinder für die erste Klasse oder die Vorschule angemeldet haben, müssen sich andere Schulen suchen. 

Dabei seien die Schulschließungen nur der erste harte Einschnitt der Sanierung der Bistumsfinanzen. Generalvikar Thim: „Weitere Schritte in anderen kirchlichen Bereichen werden folgen.“ Das betrifft unter anderem Kirchen und andere Gebäude. Denn nicht nur bei den Schulen haben die Versäumnisse der vergangenen Jahre zu einem riesigen Investitionsstau geführt.

Text: Andreas Hüser