28.05.2018

Glocke aus Bayern soll in Israel für Frieden läuten

Wie Emmaus zu einer Stimme kam

Eine Spende aus Bayern soll für Frieden in Israel läuten: Das Kloster der Gemeinschaft der Seligpreisungen in Emmaus hat eine Glocke erhalten.

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Die Glocke aus Bayern läutet nun in Israel, auf dem Kloster
der Gemeinschaft der Seligpreisungen in Emmaus. 
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Energisch zieht Pater Franz von Sales an dem Seil. Die Glocke setzt sich in Bewegung. Wie damals, als er als kleiner Junge die Glocke an der Pforte zu jenem Kloster läuten durfte, in dem seine Tanten lebten. Ein Schlag, dann noch einer. 70 Kilo Metall geraten langsam in Bewegung. Sie sind der Realität gewordene Traum des westfälischen Ordensmannes, der seit 20 Jahren im Heiligen Land lebt: Eine Glocke für sein Kloster der Gemeinschaft der Seligpreisungen in Emmaus-Nicopolis - entstanden in der Kunstgießerei Max Bauer im bayerischen Wörth, gestiftet durch Regensburger Katholiken.

Jetzt wurde die "Patrona Bavariae" feierlich in Betrieb genommen. Von jetzt an soll sie "mit jedem Schlag" an die wichtigste Mission im Land mahnen: das Gebet um Frieden.

Quer durch das Treppenhaus verläuft das Seil, das kräftig zu ziehen Pater Franz die versammelten Feiernden ermutigt. Die Freude über die neue Glocke: Man soll sie hören in Nah und Fern. "Juden, Muslime, Christen, Atheisten: Wer künftig hier vorbeikommt und den Klang der Glocke hört, wird daran erinnert, dass Jesus hier gegenwärtig ist", sagte der zur Einsegnung der Glocke aus Nazareth angereiste Vertreter des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem, Patriarchalvikar Hanna Kildani.

Wie es zu der bayerischen Spende kam? "Zufall", sagt die Initiantin Irmgard Hilmer. In den Sprachgebrauch der Regensburger Diözesansprecherin der "Charismatischen Erneuerung" übersetzt heißt das: "Das hat Gott mir zufallen lassen." Mehr als drei Jahre Vorgeschichte hat die Glocke von Emmaus, Jahre, in denen Pater Franz den bayerischen Pilgern immer wieder von seinem Herzenswunsch erzählte.

 

Ein Zufall jagt den nächsten

Ein bisschen klingt es wie ein modernes Märchen: Da ist der Schulfreund der Hilmers, der überraschend auftaucht und der - "damit es meine Mitarbeiter nicht verlernen" - gerade eine Glocke gegossen hat. Da ist der Regensburger Diözesanbischof Rudolf Voderholzer, der sich spontan bereiterklärt, das bayerische Stück für Emmaus zu weihen. Da sind Musikerfreunde, Mitpilger, andere Gönner, die die Idee so begeistert, dass sie den Kaufpreis samt Transport finanzieren. Und von denen viele an diesem Tag in Emmaus-Nicopolis das erste Erklingen der Glocke live miterleben.

"Die Glocke aus Bayern", so Kildani in seiner Predigt, "sendet ein erstes Zeichen des Friedens in ein Land und eine Region, die dringend Heilung und Versöhnung brauchen. Sendet uns mehr davon, nach Syrien, in den Irak." Nicht Waffen solle der Westen nach Nahost schicken, fordert Kildani. "Seid Friedensstifter und bringt die kleinen Zeichen, die etwas zum Guten ändern: Schickt Glocken in all die Kirchen, die durch die Kriege der Extremisten und Fundamentalisten zerstört worden sind."

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Viele, die sich für die Anschaffung der Glocke eingesetzt
haben, sind zur Segnung nach Israel gereist. Foto: kna

Als Friedensglocke kommt auch die "Patrona Bavariae" nach Emmaus. Bezeichnend, findet Pater Franz, denn als vor drei Jahren der Traum von der Glocke greifbar wurde, standen die Zeichen im Heiligen Land ganz und gar nicht auf Frieden. "Und auch jetzt kommt die Glocke in eine Zeit, in der die Lage nicht gerade friedlich ist."

Vor hundert Jahren, im Ersten Weltkrieg, bat König Ludwig III. Papst Benedikt XV., das Volk Bayerns dem Schutz der Gottesmutter Maria anzuvertrauen. "Jetzt", sagt Irmgard Hilmer, "haben wir den tiefen Wunsch, dass die Glocke mit jedem Schwingen jenen Frieden im Heiligen Land einläutet, den wir in Bayern schon so lange genießen".

Erste Früchte hat die Friedensglocke für Pater Franz von Sales und seine derzeit elf Mitglieder zählende Gemeinschaft bereits getragen, noch bevor sie in Emmaus angekommen ist. Muslimische Arbeiter fertigten den Glockenstuhl, israelische Freunde des Klosters halfen, das klingende Stück aus dem Zoll zu befreien. "Das war eine schöne Zusammenarbeit", sagt der Ordensmann mit einem Lächeln. "Alle haben dazu beigetragen, dass die Glocke jetzt hier läuten kann - vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein!"

kna