02.10.2018

Wie leben Ehepaare den Bibelvers: "Eine Hilfe, die mir entspricht"

Liebe versetzt Berge

Nach der Erschaffung des Menschen, so erzählt es die Lesung aus dem Buch Genesis, macht Gott ihm „eine Hilfe, die ihm entspricht“. Einander nahe sein, helfen und stützen – was das im alltäglichen Leben konkret heißt, erzählen zwei Ehepaare, die miteinander alt geworden sind.

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Seit 67 Jahren gehen sie miteinander durchs Leben:
Berti und Arno Peters. Foto: privat

Wie innige Verbundenheit entsteht

Früher führten die beiden einen Hof mit Kühen, Schweinen und Hühnern. Inzwischen sind sie im Ruhestand. Arno (95) und Berti (86) Peters aus Vicht bei Stolberg gehen seit 67 Jahren miteinander durch dick und dünn.

Als Berti die Landwirtschaftsschule besuchte, war Arno schon Verwalter auf einem Gut. Beim Tanzen zu Silvester – Berti war damals 16 Jahre alt – kamen sie sich näher. Dass sie später heirateten, „hat sich einfach so ergeben“, sagen die Eheleute unisono.

„Einfach so ergeben“ hat sich manches im Lebenslauf der beiden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Arno Peters der einzige Mann in seiner Familie, der den landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Krewinkel bei Stolberg weiterführen konnte. Doch kaum wohnten er und seine junge Ehefrau  drei Jahre dort, als sie aufgrund familiärer Auseinandersetzungen wieder umziehen mussten. Sie übernahmen nun einen Bauernhof in Vicht bei Stolberg und fingen hier praktisch wieder von vorne an. Von 1955 bis 1978 bewirtschafteten sie den Hof. „Das Leben nahm seinen Lauf“, sagt Berti Peters. Kein Wort der Klage, etwa über zu wenig Muße, ist zu hören. Bei Wind und Wetter molk Arno Peters im Freien die Kühe – harte Arbeit, die er selbst erledigt hat, weil er sie seiner Frau nicht zumuten wollte.

Arno und Berti Peters erinnern sich auch an leidvolle Stunden, etwa als Berti eine lebensgefährliche Schwangerschaftsvergiftung erlitt, worüber Arno graue Haare bekam. Glaube und Gottvertrauen hätten ihnen geholfen, sagen beide, auch diese Zeit zu überwinden.

Nachdem Arno und Berti Peters die Landwirtschaft aufgegeben hatten, konnten sie auch an Urlaub denken. Vorher gingen sie höchstens abwechselnd auf Wallfahrt. Nun aber waren Rom, Israel, St. Petersburg, Moskau und Tunesien die Ziele. Während einer Kreuzfahrt auf der Donau haben beide das letzte Mal miteinander getanzt – Arno Peters hatte da schon das stolze Alter von 90 Jahren erreicht.

Auf den ersten Blick scheinen Arno und Berti Peters zwei gegensätzliche Charaktere zu sein. Hier der groß gewachsene Mann, der Ruhe ausstrahlt, dort die zierliche Frau mit ihrem überschäumenden Temperament. Doch bei näherem Hinsehen spürt man große Vertrautheit und innige Verbundenheit. „Liebe versetzt Berge“, sagt Arno Peters resümierend. Und das klingt kein bisschen kitschig.

Ruth Schlotterhose

 

Was im Leben wirklich trägt

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Schmerzliche Erfahrungen haben sie zusammengeschweißt:
Gerda und Gotthard Mattern. Foto: privat

„Ohne unseren Glauben und das Gebet hätten wir das nicht überlebt.“ Gerda und Gotthard Mattern aus Hünfeld verloren innerhalb von sieben Jahren zwei ihrer drei Kinder. 2002 starb ihre Tochter Antje im Alter von 25 Jahren an plötzlichem Herztod. „Von einer auf die andere Sekunde“, sagt Gerda Mattern. Die 71-Jährige fügt hinzu: „Sie war gerade dabei, ihre Diplomarbeit in Theologie zu schreiben. Das Thema sollte Kirche und Medien sein. Antje führte auch ein Interview mit dem Kabarettisten Hanns-Dieter Hüsch. Ich habe noch das Band.“

Die Tochter hatte vor ihrem Tod ein Jugendcamp der Charismatischen Erneuerung (CE) mitvorbereitet. „Wir beide sind dann auf das Camp gefahren. Und haben versucht, Antje zu ersetzen“, sagt Gerda Mattern.

Ihr Mann Gotthard erlebte als Kind die Vertreibung aus Schlesien. Den 81-Jährigen begleitet seitdem ein Satz seiner Mutter: „Vergiss die Kirche nicht!“ Nach dem Tod der Tochter hat Gotthard Mattern seine Trauer im Gebet vor Jesus gebracht. Und er hat angefangen, im nahen Bonifatiuskloster im Jugendgottesdienst Gitarre zu spielen. „Jeder findet seinen eigenen Weg, mit der Trauer umzugehen“, sagt er dazu.

Ebenfalls an plötzlichem Herztod starb Sohn Jörg 2009 – im Alter von 39 Jahren. Gerda Mattern sagt: „Wir machten uns Sorgen, weil seine Frau schwanger war. Bis heute beten wir jeden Tag für sie und die Zwillinge. Die machen uns viel Freude.“ Inzwischen weiß das Ehepaar, dass hinter dem Tod ihrer beiden Kinder eine Erbkrankheit in der Familie mütterlicherseits steckt. „Gott sei Dank sind unsere Tochter Ina und ihre fünf Kinder nicht davon betroffen“, sagt Gerda Mattern. Nach Jörgs Tod hat sie um Gottes Liebe gerungen. Und es ging ihr gesundheitlich nicht gut. Und was tat ihr Mann Gotthard? „Ich habe vor allem viel für sie gebetet.“

„So seltsam das klingt: Wir haben uns neu kennengelernt. Das Erlebte hat uns beide zusammengeschweißt“, erklären beide. Wer meint, dass es bei dem Paar, das vergangenes Jahr goldene Hochzeit feierte, keine Spannungen in der Beziehung gibt, liegt jedoch falsch. „Es gab schwere Zeiten. Wichtig ist aber, mit Verletzungen umzugehen.“

Dem Ehepaar sind über all die Jahre zwei Bibelworte wichtig geworden: „Trachtet zuerst nach Gottes Reich, und alles andere wird euch dazugegeben“ (Matthäus 6,33) und „Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Guten“ (Römer 8,28). Gerda Mattern sagt: „Das zu leben, ist hart, aber der einzig richtige Weg. Wir wollen zufriedene Menschen sein.“

Hans-Joachim Stoehr