28.02.2018

Gespräche mit der Initiative „Schulgenossenschaft“

„Gemeinsame Verantwortung“

Es sind ungleiche Partner: Ein Bistum in Schwierigkeiten und eine Initiative, die die Sache mittels einer Genossenschaft selbst in die Hand nehmen will. Trotzdem haben beide am Samstag zueinander gefunden und wollen „Verantwortung teilen“. Erzbischof Stefan Heße sagt, wie das gehen könnte.

Erzbischof Stefan Heße im Interview mit der Neuen KirchenZeitung Hamburg
Erzbischof Stefan Heße im Interview mit der Neuen Kirchenzeitung  Foto: Marco Heinen

Das Gespräch zwischen Ihnen und der Initiative „Schulgenossenschaft“ am Samstag ist mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen worden. Haben Sie damit gerechnet? 

Wir haben am Wochenende mehrere Gespräche geführt: mit dem Schulausschuss der Bürgerschaft, der Gesamtelternvertretung der katholischen Schulen und mit der Initiative, die eine Genossenschaft zur Rettung der Schulen gründen will. Ich bin dankbar dafür, dass es diese Idee gibt. Und ich bin dankbar für ein sehr langes und sehr offenes Gespräch. Wir haben vereinbart, dass wir nun einen Projektplan entwerfen mit allen Themenfeldern, die wir zur Bearbeitung sehen. Bis zu den Sommerferien wollen wir alle Fragen bearbeiten und eine Antwort auf die Frage finden: Wie können wir gemeinsam die Verantwortung für unsere Schulen übernehmen? 

Die Positionen beider Parteien schienen zuletzt noch unvereinbar zu sein. Die Genossenschaft will alle 21 Schulen in Trägerschaft übernehmen. Sie haben gesagt: Wir bleiben Träger von zumindest 13 Schulen. Wie lässt sich das auflösen? 

Das gilt es jetzt zu klären. Klar ist: Das Erzbistum Hamburg hat den Auftrag und die Verpflichtung, katholische Schulen zu betreiben. Jetzt müssen wir schauen, wie wir mit der Genossenschaft auf einen fruchtbaren Weg kommen. 

Was wären mögliche Szenarien der Zusammenarbeit? 

Erst einmal wichtig, dass wir in den Sach- und Fachfragen zusammenkommen. Eine dieser Fragen ist, was die Genossenschaft leisten kann. Immerhin brauchen wir allein für die drei gefährdeten Schulen, die wir weiterentwickeln wollen, 55 Millionen Euro für Investitionen. Wichtig ist uns: Wir stehen zu unserer Trägerschaft und wollen auch den Mitarbeitern Sicherheit geben. Die sind ja beim Bistum angestellt.  

Die Genossenschaft wird kaum genug Geld haben, um alles zu bezahlen. Was hat die Genossenschaft, was das Bistum nicht hat? 

Was die Genossenschaft einbringen kann, ist ja nicht nur finanziell zu bewerten. Es kann sich auch auf anderen Ebenen abspielen. Sie könnte etwa unsere Bemühungen durch zusätzliches Know-How ergänzen oder Türen für weitere Unterstützung öffnen – sie verfügt zum Beispiel über gute Kontakte, die in unserer Situation nicht unwichtig sind. 

Strittig war auch die Forderung der Genossenschaft: Gebt uns alle Zahlen! Bekommt die Genossenschaft jetzt Einblick in Details der Bedarfsanalyse? 

Wir sperren uns nicht gegen Informationen. Das machen wir schon jetzt bei den Schulkonferenzen: Wir geben über einzelne Zahlen Auskunft, und wenn weitere Fragen kommen, geben wir auch dort Auskunft. Das gehört in diesen Gesprächsprozess hinein. 

Wie könnten die Aufgaben bei einer Zusammenarbeit verteilt werden? Ist eine „gemeinsame Trägerschaft“ realistisch? 

Mir ist wichtig, dass wir bei der gemeinsam erarbeiteten Formulierung bleiben: Wir suchen nach einer neuen Form gemeinsamer Verantwortung. Das ist der Ausgangspunkt der Gespräche. Wir stehen als Bistum zu unserer Trägerschaft.   

Wie steht es um die fünf Schulen, deren Schließung bereits beschlossen ist? Bleibt es bei dieser Entscheidung? 

Wir haben vereinbart, dass wir Schule weiter entwickeln und Schule sicher machen wollen. Wenn wir zusätzlich zu den 13 gesetzten Schulen die drei Schulen in Harburg, Neugraben und Barmbek weiter entwickeln wollen, haben wir eine hohe Leistung zu erbringen. Ob darüber hinaus noch etwas geht, werden wir dann sehen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das allerdings nicht sehen.

Die Aufregung um die Hamburger Schulen ist groß, aber sie sind nicht das einzige Problemfeld im Bistum. Welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Schulskandal für weitere Sanierungsmaßnahmen? 

Wir sanieren jetzt den Gesamthaushalt des Erzbistums. Die Schulen sind ein Teil davon. Dabei muss uns der Grundsatz leiten: Wir können nur das leisten, was wir auch bezahlen können. Wir werden Schritt für Schritt vorgehen. Eine große Herausforderung sind ja die fast 1000 Immobilien und deren Kosten. Die alle zu erhalten, würde unser Diasporabistum überfordern. Ich hoffe, dass wir für das weitere Vorgehen ein Verfahren entwickeln, das möglichst viele Menschen mitnimmt, zuerst die Pfarrer und Kirchenvorstände. 

Wann wird es damit losgehen? 

Ein erster Schritt ist, die Immobilien in einer Datenbank aufzunehmen, damit wir einen wirklichen Überblick haben. Das wird einige Zeit dauern. Es gibt noch viel zu tun. Aber ich bin dankbar, dass alle diese Themen jetzt auf dem Tisch sind und angegangen werden. 

Interview: Andreas Hüser